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05.04.2014: pnn

Pendler

Immer mehr Menschen nutzen die S-Bahn-Verbindungen zwischen Berlin und Brandenburg – die meisten sind auf der Strecke nach Potsdam unterwegs. Dennoch soll es keine zusätzlichen Angebote geben

Wenig Platz: Etwas verschlafene Studenten stehen in der S-Bahn nach Griebnitzsee eng beieinander, den Kaffeebecher in der einen Hand, das Smartphone in der anderen. Dazwischen Reisende, die in Wannsee eingestiegen sind – mit ihren Rollkoffern. Ein freier Sitzplatz ist nicht zu sehen. „Bequem ist es nicht. Im Stehen kann ich die Fahrtzeit nicht zum Lernen nutzen“, sagt ein Student. Ein übliches Bild an einem Wochentag in der Vorlesungszeit. Die S-Bahnen, die kurz vor Beginn der Veranstaltungen am Campus eintreffen, sind voll.

Die S-Bahn nach Potsdam ist die am meisten genutzte Strecke zwischen Berlin und Brandenburg. Das geht aus den Fahrgastzahlen hervor, die die S-Bahn alle vier Jahre erhebt und die den PNN vorliegen. Bis zu 47 000 Fahrgäste waren 2012 an Werktagen mit der S-Bahn zwischen Potsdam und Berlin unterwegs. Gegenüber der letzten Zählung 2008 ist die Nachfrage um 53 Prozent gestiegen. Zwar sei diese enorme Steigerung wegen der Bauarbeiten an der Fernbahnstrecke durch den Grunewald statistisch verzerrt, wie die S-Bahn einräumt. Doch der Trend hält offenbar an: „Nach meiner Beobachtung sind auch 2013 mehr Menschen zwischen Potsdam und Berlin mit der S-Bahn unterwegs gewesen“, sagte S-Bahnchef Peter Buchner den PNN am Freitag. Als Potsdamer fährt er selbst häufig auf der Strecke mit der S-Bahn.

Ein zweites durchgehendes Gleis, das die Strecke weniger störanfällig machen würde, ist dennoch nicht Sicht. Die Kapazitäten im Regionalverkehr und auch bei der S-Bahn seien ausreichend dimensioniert, meint Brandenburgs Infrastrukturministerium. Auch in der Hauptverkehrszeit sei in den Zügen noch Platz.

Im Vergleich von 2008 und 2012 haben die Fahrgastzahlen auf sämtlichen Strecken ins Land Brandenburg zugenommen. Täglich steigen in Brandenburg rund 100 000 S-Bahn-Fahrgäste ein. Insgesamt fuhren im Jahr 2012 rund 23 Millionen Menschen von Bahnhöfen in Brandenburg aus mit der S-Bahn. Gegenüber 2008 mit seinerzeit werktäglich rund 78 000 S-Bahn-Fahrgästen ist dies eine Steigerung um 28 Prozent.

Ausschlaggebend für das deutliche Wachstum sei neben der zunehmenden Verflechtung von Berlin und Brandenburg auch ein besseres Angebot, sagte Buchner. Unter anderem wurde auf der Strecke der S25 nach Teltow und der S5 nach Hoppegarten der Zehn-Minuten-Takt eingeführt.

In Potsdam zeigt sich die starke Nachfrage auf allen drei S-Bahnhöfen: Am Hauptbahnhof steigen nach Angaben der S-Bahn täglich rund 33 000 Menschen aus und ein. Rund 10 000 Fahrgäste nutzen den S-Bahnhof Babelsberg und rund 13 000 den S-Bahnhof Griebnitzsee. Gegenüber 2008 ergibt sich für die Potsdamer Bahnhöfe zusammen ein Wachstum von rund 36 Prozent. Absoluter Spitzenreiter ist aber der Hauptbahnhof: Fast 70 Prozent mehr Fahrgäste stiegen dort 2012 ein und aus als noch 2008. Dort habe sich das baubedingt eingeschränkte Angebot im Regionalverkehr ausgewirkt, so die S-Bahn. Der Bahnhof Babelsberg legte um vier Prozent und der S-Bahnhof Griebnitzsee um sieben Prozent zu.

Trotz des anhaltenden Wachstums wird das Angebot der S-Bahn nach Potsdam wohl nicht erweitert werden. Derzeit verkehrt hier die S1 tagsüber im Zehn-Minuten-Takt. Für die Potsdamer Stadtverwaltung habe eine Erweiterung des Angebots keine Priorität, hieß es. Stattdessen setze man darauf, dass der Zehn-Minuten-Takt stabiler eingehalten werde und die Reisezeit verkürzt werde, so Stadtsprecher Stefan Schulz. Um beides zu erreichen, hatte die Bahn angekündigt, zumindest zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und dem S-Bahnhof Babelsberg auf einigen Hundert Metern ein zweites Gleis für die S-Bahn zu verlegen, damit die Züge einander besser ausweichen können. Geplant ist dieser Ausbau allerdings erst für das Jahr 2019. Außerdem fordert die Stadtverwaltung eine Taktverdichtung im Regionalverkehr. Die Züge des RB 21 und RE22 fahren seit Dezember 2012 nur am Morgen und am späten Nachmittag anstatt den ganzen Tag über. Zahlen müssten für weitere Züge jedoch die Länder Berlin und Brandenburg – und die stellen sich quer.

Wie sich ein besseres Angebot bemerkbar macht, ist derweil in Teltow zu beobachten: 2011 wurde auf der Strecke der Zehn-Minuten-Takt eingeführt und die Verknüpfung mit dem Busnetz in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf optimiert. Der S-Bahnhof ist besser ins Liniennetz eingebunden. Zudem wurde der Fahrplan der Busse auf die Fahrtzeiten der S-Bahn abgestimmt. Anschlussverbindungen sind so für S-Bahn-Nutzer komfortabler und die Reisezeiten kürzer. Die Folge: Dort gibt es den landesweit größten Zuwachs an Fahrgästen.

von Marco Zschieck
pnn
5.4.2014
http://www.pnn.de/potsdam/843949/

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