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02.06.2014: MoPomobil

Abgehängt vom Streckennetz – Stahnsdorf träumt vom Anschluss
Stahnsdorf kämpft für einen S-Bahn-Anschluss: Die Friedhofsbahn soll wieder fahren. In der Nacht zum 13. August 1961 wurde sie eingestellt – jetzt erinnert eine Säule an die ersehnte Verbindung.

Wie oft war Bernd Albers schon an diesem Ort. "Genau an dieser Stelle war der Eingang zum Bahnhof", sagt der Bürgermeister und deutet auf die Stele gegenüber der Hauptpforte des Südwestfriedhofs.

"100 Jahre S-Bahn Stahnsdorf" ist auf der Erinnerungssäule zu lesen, er ließ sie zum Jubiläum im Juni vergangenen Jahres aufstellen. Sie trägt die Inschrift "100 Jahre S-Bahn Stahnsdorf" und ist aus Beton. Wie die Mauer, die nach nur 48 Betriebsjahren das Ende der Friedhofsbahn von Wannsee über Dreilinden bis nach Stahnsdorf bedeutete. In der Nacht zum 13. August 1961 fuhr sie das letzte Mal.

"Hier an der Stelle befand sich der Eingang zum Bahnhof", sagt Bürgermeister Albers. Er geht ein paar Schritte weiter, in den Wald hinein. Dort liegt noch das Fundament des alten Bahnkartenhäuschens auf dem Bahnsteig, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. Lupinen umwuchern die alten Gleise daneben.

DER TRAUM VOM RINGSCHLUSS

Seit er 2008 für die freie Wählergruppe "Bürger für Bürger" das Amt als Rathauschef angetreten hat, kämpft Albers dafür, dass Stahnsdorf wieder an das Berliner S-Bahn-Netz angeschlossen wird. Er sagt: "Diese schmerzliche Folge der deutschen Teilung muss endlich geheilt werden. Das ist eine moralische Verpflichtung."

Der Kampf war bislang vergebens. Die Gemeinde Stahnsdorf, aber auch die Nachbarkommunen Kleinmachnow und Teltow wollen jetzt – nur wenige Monate vor der Landtagswahl im September – den Druck auf die rot-rote Landesregierung in Brandenburg erhöhen. "Unser Ziel ist in einem ersten Schritt die Verlängerung der S-Bahn von Teltow ins Gewerbegebiet Stahnsdorf", sagt Bürgermeister Albers.

"Würde die frühere Friedhofsbahntrasse wieder in Betrieb genommen, wäre langfristig sogar der komplette Ringschluss technisch möglich." Denn die Strecke vom Südwestfriedhof ist nur stillgelegt, nicht entwidmet. Die drei Kommunen, die eine kommunale Arbeitsgemeinschaft bilden, wollen eine neue Machbarkeitsstudie über die Verlängerung der S-Bahn von Teltow über Stahnsdorf und Kleinmachnow. Der Auftrag wird demnächst ausgeschrieben. "Wir brauchen neue, belastbare Daten. Die besorgen wir uns nun selbst", sagt Albers.

EINWOHNERZAHL SEIT 1990 VERDOPPELT

Denn eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, auf die sich das Infrastrukturministerium in Potsdam gern beruft, stammt aus dem Jahr 1997. Doch die südwestlich an Berlin angrenzende Region ist deutlich stärker gewachsen als einst vorhergesagt. Seit 1990 hat sich allein die Einwohnerzahl von Stahnsdorf – ohne die neuen eingemeindeten Ortsteile – auf 11.600 Bewohner verdoppelt. Laut Prognosen werden bald 60.000 Einwohner in dem Gebiet leben. Derzeit pendeln 13.600 Menschen täglich zwischen Stahnsdorf, Teltow, Kleinmachnow und Berlin.

Dass es zum kompletten Ringschluss kommen wird, ist höchst unwahrscheinlich. Denn vom möglichen S-Bahn-Anschluss im Stahnsdorfer Gewerbegebiet zur Haltestelle am Südwestfriedhof müsste die Trasse mitten durchs Wohngebiet führen. Warum die drei Kommunen dann auch diese Variante untersuchen lassen wollen, darauf ist keine plausible Antwort zu bekommen. "Wir wollen eben alle Möglichkeiten ausloten", sagt Albers.

Immer wieder hat er sich ans Land gewendet und an den Bund. Von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht er sich unterstützt. "Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katherina Reiche (CDU) hat in dessen Namen in einem Schreiben vom 4. April bekräftigt: "Ich würde mich freuen, wenn das Land Brandenburg eine Verlängerung der S-Bahn nach Stahnsdorf voranbringen würde."

Die Landesregierung ist allerdings derzeit nicht bereit, einen entsprechenden Antrag bei der Bahn zu stellen. "So wünschenswert ein S-Bahn-Anschluss aus Sicht der Region auch ist, er ist derzeit nicht finanzierbar", sagt Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD). Dabei gehe es auch um die Kosten für den laufenden Betrieb. "Die S-Bahn hat ohnehin schon jetzt Probleme mit dem Fuhrpark. Da wäre es nicht hilfreich, das Streckenangebot noch zu erweitern und weitere Fahrzeuge einzusetzen", sagt Vogelsänger.

VERWEIGERUNG "MIT FADENSCHEINIGEN ARGUMENTEN"

Brandenburg brauche die vom Bund bereitgestellten Regionalisierungsmittel für den öffentlichen Nahverkehr, um steigende Infrastrukturkosten in anderen Landesteilen zu finanzieren. "Wir können keine Landesteile abhängen, sondern müssen dafür sorgen, dass alle mit Berlin und Potsdam verbunden sind." Das Land will die Prioritäten also woanders setzen. Zudem fürchtet die Regierung Begehrlichkeiten der anderen, einst mit S-Bahn-Anschluss ausgestatteten Speckgürtelgemeinden wie Falkensee, Rangsdorf und Velten.

Der Stahnsdorfer CDU-Vorsitzende Daniel Mühlner wirft der Landesregierung vor, "mit fadenscheinigen Argumenten das dringend notwendige Vorhaben zu verweigern". Aus seiner Sicht beweist die deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen bei der S-Bahn seit Einführung des Zehn-Minuten-Takts den Bedarf. Einem Ringschluss erteilt Mühlner eine Absage: "Wir wollen eine Anbindung von Stahnsdorf an die S-Bahn, aber nicht die Zerschneidung unserer Gemeinde."

Dies sei jedoch keine Absage an eine denkbare Anbindung des Europarks "Dreilinden" an die Berliner S-Bahn-Stationen. Auch die Landes-CDU engagiert sich. CDU-Fraktions- und Landeschef Michael Schierack sagt: "Bei der Verlängerung der S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf handelt es sich um ein wichtiges Infrastrukturprojekt auch aus Sicht des Landes. Die Landesregierung muss das offensiver angehen." Bürgermeister Albers freut sich über jede Unterstützung – egal von welcher Partei.

Artikel erschienen am 02.06.2014
Gudrun Mallwitz
MoPomobil
http://mobil.morgenpost.de/brandenburg/article128632044/Abgehaengt-vom-Streckennetz-Stahnsdorf-traeumt-vom-Anschluss.html?cid=berlin

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